Sonntag, 11. Januar 2015

[Rez(ept)ension] "The Diviners-Aller Anfang ist böse" von Libba Bray (Hörbuch)

 
Der erste Band der Tetralogie von Libba Bray ist im Dtv Verlag erschienen. Das 704 Seiten starke Buch ist als Hardcover für den Preis von 19,95€ zu haben. Ich rezensiere jedoch das Hörbuch, welches auf 3 CDs ca. 1.200 Minuten umfasst. Dieses ist für 19,99€ beim Audio Verlag erschienen.
New York, 1926: Wegen eines kleinen "Zwischenfalls" wurde Evie O'Neill aus ihrer langweiligen Kleinstadt ins aufregende New York verbannt. Dort genießt sie das wilde Partyleben, bis ein seltsamer Ritualmord die Stadt erschüttert - und Evie über ihren Onkel, den Direktor des Museums für Amerikanisches Volkstum, Aberglauben und Okkultes plötzlich mitten in den Mordermittlungen steckt. Schon bald weiß sie mehr als die Polizei. Denn Evie hat eine geheime Gabe, von der niemand wissen darf: Sie kann Gegenständen die intimsten Geheimnisse ihrer Besitzer entlocken. Doch sie hat keine Ahnung, mit welch entsetzlicher Bestie sie es zu tun bekommt …

„In einem vornehmen Stadthaus in der gefragten Upper East Side von Manhattan herrschte Festbeleuchtung.“ (Seite 7)

 
Ich stelle mir einen Fantasy Roman vor, welcher als Setting die 20er erwählt hatte. Dementsprechend denke ich, dass der geschichtliche Hintergrund eine starke Rolle spielt. Trotzdem, oder gerade deswegen, hoffte ich, dass die geschichtliche Rolle nicht zu sehr aufgewickelt wird, sondern der Fokus auf der Fantasy liegt. Historische Romane sind nämlich eher nicht mein Genre.


Ich könnte den Dtv Verlag dafür küssen, dass er das Originalcover nicht übernommen hat. Besonders nach dem Coverwechsel! Das deutsche Cover ist einfach perfekt, anders kann man es gar nicht sagen. Das Mädchen, welches zwar im Vordergrund steht aber nicht zu präsent ist, wurde im Stil der Zeit gehalten. Besonders schön: Man sieht kein Gesicht, sodass die eigene Vorstellungskraft noch gewährt bleibt. Das Besondere an dem Cover fällt zunächst vielleicht gar nicht groß auf: Die Karte in der Hand von Evie. Sie zeigt ein Symbol, welches mit der Zunahme der Handlung auch an Bedeutung gewinnt. Besonders schön, dass die Karte mit Blut besudelt ist. Ich liebe diese Anspielung.


Zuerst einmal möchte ich euch meine Meinung zur Stimme des Hörbuchs vermitteln. Ich hatte ja Angst wie es ist, wenn nur eine Stimme ein ganzes Buch vorliest. Die Stimme von Anja Stadlober ist wirklich angenehm in meinen Ohren und sie kann sie auch auf die verschiedenen Charaktere anpassen, zu meiner Erleichterung. Trotzdem hatte ich zu Anfang Schwierigkeiten die Charaktere auseinander zu halten, eben weil es nur eine einzige Stimme gibt und eben doch sehr viele Charaktere. Besonders bei den männlichen Charakteren komme ich ganz durcheinander. Beim Lesen gebe ich jeder Stimme einen anderen Klang in meinem Kopf, was so nun natürlich nicht geht. Nachdem man sich aber erst einmal an Die Sprecherin gewöhnt hat, erkennt man auch kleine Betonungsnuancen und die Verwechslungsgefahr verringert sich im Laufe der Geschichte.

Die 704 Seiten starke Geschichte wurde hier auf 3 CDs verteilt und beinhalten insgesamt 1.112 Minuten Hörgenuss. Möglicherweise lag es daran, dass ich das Buch als Hörbuch gehört habe, aber trotzdem hatte ich das Gefühl, dass die Story anfangs ziemlich langsam voran geht. Auch die vielen Charaktere tragen zur Verwirrung bei. Ganz langsam werden immer mehr Charaktere eingeführt und nehmen einen festen Platz in der Handlung ein. Kurze Einblicke gibt es auch zum Beispiel aus der Sicht des Windes oder den Opfern von Northy John. Diese kurzen Einblicke fand ich ganz besonders interessant! In welcher Geschichte erzählt denn schon einmal der Wind aus seiner Sicht die Dinge ;)?

Das Setting gefällt mir auch sehr gut! Der erste Weltkrieg ist überstanden, die Weltwirtschaftskriese nicht mehr weit. Genau dazwischen spielt das Buch und seine mystischen Begebenheiten. Jedoch stoße auch ich mit meinem allgemeinen Wissen an meine Grenzen, dabei war ich in Geschichte nie schlecht, eher im Gegenteil. Flapper? Was ist das? Diesen Begriff musste ich erst einmal in Wikipedia nachschauen. Flapper ist die Bezeichnung für ein junges Mädchen, das kurze Röcke sowie kurzes Haar trugen und sich über die Regeln des guten Benehmens hinweg setzten, sich schminkten, hochprozentigen Alkohol tranken und rauchten. Somit waren sie damals besonders keck und frech.


Die Charaktere sind insgesamt sehr gelungen und bunt gemischt. Zu allen etwas zu schreiben wäre sicher zu viel, denn es kommen wirklich sehr viele Charaktere zum Zug aus ihrer Sicht der Dinge zu erzählen. Deswegen hier ein kurzer Abriss der wichtigsten Personen:

Evie ist mir als Protagonistin etwas fremd gewesen, über das gesamte Buch hinweg. Ich kann mich nicht ins sie hineinversetzten, vielleicht auch einfach, weil sie aus einer ganz anderen Zeit stammt als ich. Sie ist ein „Flapper“ durch und durch. Kein Wunder also, dass Evie nicht nein sagen kann zu Partys, Alkohol, Männern und dem Leben eines verzogenen Görs. Sie übertreibt es nicht nur einmal und geht mir dabei gehörig auf die Nerven! Dabei wechselt sie zwischen verzogenem Gör und einfühlsamen Mädchen hin und her. Ihr wahrer Charakter war für mich deswegen lange nicht klar. Und auch wenn sie gegen Ende des Buches plötzlich viel reifer wirkt, weil sie an den Ereignissen messen muss, so ist sie im Kern doch immer noch sie. Ich konnte mich mit ihr arrangieren, mich teilweise sogar in sie hineinversetzten zu Ende und hoffe einfach, dass die Ereignisse sie in Band zwei zu einer reiferen Version ihrer Selbst werden lassen. Immerhin ist sie ein Charakter so offen und ehrlich wie kein zweiter, mit all ihren Fehlern und all ihren Macken durch und durch menschlich.

Die zweite Hauptfigur, Memphis, ist mir da schon eher sympathisch. Während Evie das Leben in vollen Zügen genießt, hat er schon einiges hinter sich. Er ist sozusagen Mädchen für alles: Geldeintreiber, Lottozettelverteiler, und noch mehr. Hinter seinem strahlenden Lächeln verbirgt sich ein gefühlsvoller Kern. Er ist sehr besorgt um seinen Bruder und kümmert sich liebevoll um ihn, da ihrer beider Mutter gestorben und ihr Vater weg ist. Sie wohnen bei ihrer Tante, welche äußerst religiös ist. Vor ihr müssen sie auch Jesajas Gabe verbergen.

Dann ist da noch Naughty John, der böse Geist, welcher mit biblischen Sprüchen seine Opfer für das große Ganze zusammensucht. Er ist die Bedrohung in dieser Welt. Er war wirklich gruselig beschrieben, was über die CD dann gleich noch einmal eine ganz neue Dimension der Bedrohlichkeit annahm. Was es mit ihm auf sich hat würde aber zu viel verraten.

Zudem gibt es noch andere wichtige Charaktere wie Evies Onkel Will, der Inhaber des Museums. Außerdem werden Sam und Jericho im Laufe der Geschichte noch eine größere Handlungsspanne einnehmen. Sie beide buhlen um Evies Aufmerksamkeit. Evies gute Freundin Mable darf natürlich auch nicht vergessen werden, genauso wie die taffe Theta. Die jungen Menschen verbindet etwas, das so viel größer ist als sie zu fassen wagen und was obendrein noch mit dem Titel dieses Buches zu tun hat :). Die Verknüpfungen, welche nach und nach zwischen bestimmten Charakteren von Statten ging waren äußerst faszinierend verarbeitet. Vor allem: Jeder hat da so sein kleines Geheimnis, welche alle höchst brisant sind. Vielleicht sind manche Charaktere nicht ganz was sie zu sein scheinen.


Nachdem erst einmal die Morde geschehen bahnt sich das Übernatürliche immer mehr seinen Weg in die Handlung und ab da wird es gruseliger, spannender und auch Gänsehautlastiger als zuvor. Die letzten Kapitel habe ich dann geradezu inhaliert, weil alles ganz anders gekommen ist, wie ich dachte. Dieser Nervenkitzel und dann auch noch als eindringliche Stimme an meinem Ohr- an einschlafen war danach nicht mehr zu denken. Dieses Ende hat mich auch wirklich gepackt, vor allem weil kurz vor Schluss dann doch noch einmal viele neue Fragen aufkommen, die mich ganz ungeduldig wartend zurück lassen. Die Autorin vermag es ihre Leser bei Laune zu halten und setzt gekonnt Aspekte ein, um den nächsten Band noch am Erscheinungstag verschlingen zu wollen.


Ich werde den nächsten Band auf jeden Fall lesen! Mysteriös, spannend und perfekt in der Zeit von 1920 integriert. Die Geschichte hat einfach einen gewissen Reiz, dem man sich nicht so leicht entziehen kann. Einzig die Protagonistin hat mich ein wenig genervt, aber sie hat sich schon jetzt entwickelt. Ein sehr schönes Hörbuch, eine wirklich gute Erfahrung, aber nur für Leute die sowas gut in ihren Alltag integrieren können, weswegen ich viel Zeit gebraucht habe, um das Hörbuch zu hören. Es war eine neue und intensive Erfahrung, welche dem eigentlichen Inhalt noch einen kleinen Sternebonus verpasst. Der Geschichte an sich würde ich 4 Cookies geben, aber weil das Hörbuch so wundervoll war, verpasse ich ihm 5 Cookies.

Ich möchte mich ganz Herzlich beim dem Audi Verlag sowie Lovelybooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken. Dies war mein erstes Hörbuch und meine erste Hörbuchrezension, danke für dieses einmalige Erlebnis.


Kommentare:

  1. Hallo Connie,

    deine Rezi gefällt mir sehr gut. Ich konnte auf der Ffm. Buchmesse der Lesung der Autorin beiwohnen und schon da hat mir die Geschichte gefallen. Aber deine Rezi macht mich noch neugieriger auf das Buch und ich habe es nicht hier. Ich höre die Horbücher immer im Auto auf dem Weg zur Arbeit und zurück. Ich liebe Hörbücher mittlerweile und falls du Gefallen daran gefunden hast, kann ich dir das Probe-Abo von Audible nur empfehlen.
    Liebe Grüße,
    Uwe

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  2. Danke :)! Oh, ich bin ganz neidisch, denn ich konnte leider samstags nicht auf die Messe. das Hörbuch ist wirklich empfehlenswert, auch wenn es sehr umfangreich ist. Ich habe tatsächlich fast einen ganzen Monat daran gehört, nicht weil es schlecht war (ganz im Gegenteil), sondern weil ich Hörbücher nur schlecht in meinen Alltag integrieren kann :(. Leider leider. So sind Hörbücher für mich zwar eine wirklich schöne Sache, aber leider zur Zeit gar nicht in mein Leben integrierbar :D! Trotzdem ganz vielen lieben Dank für den heißen Tipp. Vielleicht ändert es sich nach dem Studium ja und ich habe dann mehr Zeit für ein Hörbuch.

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  3. Naughty John. Naughty = ungezogen, frech, böse.

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    1. Oh! DANKE :D! So kann es einem ergehen, wenn man nur das Hörbuch liest.

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