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Sonntag, 24. Oktober 2021

[Rez(ept)ension] "Sanctuary - Flucht in die Freiheit" von Paola Mendoza und Abby Sher

„Sanctuary – Flucht in die Freiheit“ ist ein Einzelband, geschrieben von den Autorinnen Paola Mendoza und Abby Sher, welcher am 29.07.2021 im Carlsen Verlag als Klappbroschur zum Preis von 15,00€ erschienen ist. Das Buch umfasst 352 Seiten und wurde von Stefanie Frida Lemke übersetzt.

Dystopisch fern und doch realistisch nah!
USA, 2032: Alle Bürger*innen werden durch einen ID-Chip überwacht. Es ist beinahe unmöglich, undokumentiert zu leben, doch genau das tut die 16-jährige Vali. Nachdem sie aus Kolumbien geflohen ist, hat sich ihre Familie ein Leben in Vermont aufgebaut. Als jedoch der ID-Chip ihrer Mutter nicht mehr funktioniert und ihre Stadt nach Undokumentierten durchsucht wird, müssen sie fliehen. Das Ziel: Kalifornien, der einzige Bundesstaat, der sich der Kontrolle entzogen hat. Doch als Valis Mutter festgenommen wird, muss Vali allein mit ihrem Bruder weiter, quer durchs gesamte Land, bevor es zu spät ist.


„Nach fünfzehn Schritten war sie tot.“ (Seite 7)

 

Seitdem das Cover sowie der Inhalt des Buches bei der Programmvorstellung des Carlsen Verlags gezeigt wurde, wollte ich es unbedingt lesen. Dystopien gehören zu meinem Lieblingsgenre und doch ist das Thema dieser Dystopie hochaktuell und leider gar nicht so dystopisch, wie man meinen könnte. Mit dem Ex-Präsidenten der USA wäre diese Dystopie fast Wirklichkeit geworden und ich bin immer noch dankbar, dass dieses Buch nun (hoffentlich) eine Dystopie bleibt. Meine Erwartungen sind demnach sehr hoch und ich brauche, nein, ich erwarte ein Happy End. Ich weiß nicht, was ich sonst machen soll, denn bislang gibt es keinen zweiten Band im Original.


Das Cover ist eine Zeichnung, welche im Vordergrund ein dunkelhäutiges Mädchen, mit langen schwarzen gewellten Haaren zeigt. Das Mädchen trägt ein blaues T-Shirt und einen Rucksack. Sie scheint den Leser direkt anzuschauen. Dabei ist ihr Kinn leicht angehoben und die Arme sind vor der Brust verschränkt. Bei dem Mädchen scheint es sich um die Protagonistin Vali zu handeln. Im Hintergrund des Covers kann ich einen roten Zaun erkennen, welcher wohl die Mauer darstellen soll und einen blauen Himmel mit weißen Wolken. Im oberen Drittel des Covers befindet sich der Titel sowie die Namen der Autorinnen.


Diese Klappbroschur besticht durch das malerische Cover, die Art des rauen Papiers des Covers und die Einfachheit der Kapitelüberschriften. Die Geschichte wird aus der Perspektive der Protagonistin Vali erzählt. Der Schreibstil ist dabei einfach, flüssig, eindringlich und authentisch. Ich hätte das Buch sehr schnell durchlesen können, denn das Buch fesselt einen an seine Seiten, doch an manchen Stellen musste ich das Buch schließen, das Gelesene sacken lassen und erst einmal Abstand zur Geschichte gewinnen. So bewegend, so tiefgründig und so realistisch war sie zum Teil.

Das Setting der Geschichte war von Anfang an sehr düster, hoffnungslos und drückend. Die Familie unserer Protagonistin Vali kam vor ca. 10 Jahren aus Kolumbien in die USA, in der dann ihr kleiner Bruder Ernie geboren wurde. Da dieser in den USA geboren wurde hat er einen richtigen ID-Chip bekommen. Anders als Vali und ihre Mutter, die mit einem illegalen Chip leben, welche nicht immer richtig funktionieren. Vali hat kein leichtes Leben, doch es verschlechtert sich dramatisch, als dem Präsidenten die vielen „Illegalen“ mehr und mehr ein Dorn im Auge werden. Er ruft den nationalen Notstand aus und eine Deportationseinheit beginnt sich in ihrer Heimatstadt auszubreiten. Sie spüren die „Illegalen“ auf und nehmen sie mit – doch niemand weiß, wohin eigentlich. Valis Mutter plant somit ihre Flucht und ihre Leben verändern sich für immer. Auf dieser Flucht wird Valis Mutter gefangen genommen und plötzlich trägt sie die komplette Verantwortung für sich und ihren Bruder Ernie. Während der Präsident die „Great American Wall“, eine Hochsicherheitsmauer, ausweitet und auch zwischen Kalifornien und dem Rest der USA baut, fliehen sie verzweifelt, um ein besseres Leben führen zu können. Die ganze Atmosphäre war unglaublich bedrückend, verstörend und realitätsnah. Gänsehautmomente garantiert!

Vali ist mit ihren gerade einmal 16 Jahren schon sehr erwachsen. Sie ist immer übervorsichtig gewesen, denn nur ein falsches Wort könnte sie als „Illegale“ verraten. Als sie fliehen müssen und ihre Mutter gefangen genommen wird, muss sie für Ernie sorgen. Damit ist sie erstmal vollkommen überfordert und ich habe sehr mit ihr mitgelitten. Im Grunde ist sie ja auch nur ein junges Mädchen, welches ihre Mutter noch braucht. Sie schlägt sich tapfer, übernimmt viel Verantwortung, plant und kalkuliert und versucht immer für ihren Bruder da zu sein. Dabei handelt sie nicht immer ganz ihrem Alter entsprechend, aber immerhin befindet sie sich in einer absoluten Ausnahmesituation und steht unter enormem Druck.

Auf der Flucht in ihr neues Leben begegnen Vali und ihr kleinem Bruder eine Menge anderer Menschen, die ebenfalls auf der Flucht sind. Deren Schicksale waren z.T. genauso schlimm, wenn nicht noch schlimmer und nicht selten saß ich fassungslos vor meinem Buch. Wie kann es sein, dass der Ort der Geburt über Leben und Tod entscheidet? Das die einen, während so viel Leid passiert, immer noch ihr normales Leben weiterleben können, während die anderen nicht einmal etwas zu Trinken haben? Vali versucht immer das beste aus der Situation zu machen, ihren kleinen Bruder zu beschützen und stark für ihn zu sein. Ernie ist dabei nicht immer einfach und selten dankbar. Natürlich, ist er doch ein Kind auf der Flucht ohne seine Mutter. Und dennoch empfand ich ihn oft als undankbar. Valis Umgang mit ihrem Bruder war nicht immer perfekt, doch man merkt, dass die Geschwister sich lieben, auch als die Flucht immer länger, beschwerlicher und bedrohlicher wird.

Es entwickelt sich gegen Ende sogar eine hauchzarte Liebesgeschichte, die dafür umso eindringlicher war. Die beiden Teenager kämpfen ums Überleben und so stehen die Gefühle erst mal hinten an. Doch auch, als die Flucht endet sind sie nicht „frei“, um sich in ihre Gefühle fallen zu lassen. Das empfand ich als sehr erschütternd. Das Buch ist auch geprägt von vielen Verlusten, die Schlag auf Schlag geschehen. Das halb offene Ende war anders als gedacht bzw. anders, als ich es mir gewünscht haben. Es ist nicht wirklich abgeschlossen und vieles bleibt offen. Das lässt mich natürlich etwas unzufrieden zurück, andererseits weiß ich, dass das von den Autorinnen wahrscheinlich so beabsichtigt wird, denn die Flucht ist nie vorbei. Ich glaube auch nicht, dass hier noch ein zweiter Band folgend wird. Die deutlich spürbaren Parallelen zur heutigen Gegenwart lassen die Grenzen zur Dystopie öfter verschwimmen. Was ist noch erfunden und was davon bereits Wirklichkeit? Die Grenze zwischen Realität und Fiktion ist fließend. Ich weiß ganz sicher, dass ich dieses Buch nicht so schnell vergessen werde, was (leider) auch daran liegt, dass es viel zu nah an oder bereits in der Realität spielt.


Dieses Buch ist kein einfaches Buch. Die Geschichte rund um die Flucht von Vali und ihrem Bruder Ernie spielt mit den fließenden Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Eindringlich und authentisch fesselt die Geschichte an ihre Seiten, welche ich öfter aus der Hand legen musste, um tief durchzuatmen. Das Buch ist geprägt von der Liebe zwischen den Geschwistern, den Anstrengungen der Flucht, dem Verlust von Freunden, einer hauchzarten Liebesgeschichte und einem offenen Ende, welcher mir ein wenig zu offen war, von den Autorinnen wahrscheinlich aber so benachrichtigt ist. Denn die Flucht ist nie vorbei. Ich vergebe 4,5 Cookies, da ich nur minimale Kritikpunkte äußern kann. Dieses Buch ist wichtig und dennoch keine einfache Lektüre. Ich empfehle diese Geschichte jedoch uneingeschränkt in der Hoffnung, dass sie für immer eine fiktive Geschichte bleiben wird.


Ich möchte mich recht herzlich beim Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken.

Sonntag, 12. September 2021

[Rez(ept)ension] "D.U.S.T. 01- Die letzte Hoffnung" von Karin Kratt

Bei „D.U.S.T.: Die letzte Hoffnung“ von Karin Kratt handelt es sich um den ersten Band einer Dilogie, welcher am 31.08.2021 für 14,99€ als Printausgabe und 5,99€ als E-Book im Dancing Words Verlag erschienen ist. Das Buch hat insgesamt 350 Seiten. Der zweite Band ist für 2022 geplant.


***»Perfektion hat immer ihren Preis … bist du bereit, ihn zu bezahlen?«***
Eine Urteilsfällerin, die keine Urteile fällen möchte
Der Sohn des Gardecaptains, der nur Verachtung kennt
Ein junger Genetiker, zu intelligent für diese Welt
Und eine angehende Magistratin, die vor der Realität die Augen verschließt

Die sechzehnjährigen Jugendlichen Aleah, Jase, Celtan und Neia haben auf den ersten Blick kaum etwas gemein. Sie leben in verschiedenen Städten der einzigen noch bestehenden Nation des Planeten. Dunkelheit, Kälte sowie rigorose Gesetze bestimmen ihren Alltag.
Ausgerechnet diese vier werden jedoch von Ethan Travis, dem jüngsten Commander einer gefährlichen Widerstandsgruppe, aufgesucht. Denn das Geheimnis, das sich um die Geburt von Aleah, Jase, Celtan und Neia rankt, könnte alles verändern.
Nur – wie sinnvoll ist es, ein System zu verändern, das zwar gnadenlos tötet, aber gleichzeitig auch für den schwierigen Erhalt der Menschheit sorgt?
Viel Zeit für die Beantwortung dieser Frage bleibt nicht, setzen die Machtinhaber der United Nation doch alles daran, die törichten Rebellen ein für allemal zu vernichten. Und so werden Aleah, Jase, Celtan und Neia schon sehr bald in einen entsetzlichen Kampf verwickelt, dessen Ausgang für die Welt noch weitaus bedeutsamer werden wird, als es selbst Commander Travis je vermutet hätte …
//Ein fantastisch dystopischer Roman über die Erde im 23. Jahrhundert// 


„Insgesamt waren es vier.“ (Position 54, 1%)

 

Karin Kratt ist zurück! Endlich gibt es wieder etwas Neues aus ihrer Feder zu lesen. Darauf habe ich mich schon so sehr gefreut. Die Autorin hat viele wundervolle Bücher geschrieben u.a. eine meiner liebsten Reihen aus dem Impress Verlag, die „Seday Academy“. Ich bin natürlich nun sehr erwartungsvoll gegenüber ihrem neusten Buch und habe auch dementsprechend hohe Erwartungen. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass diese allemal erfüllt werden.


Auf dem Cover sind in der unteren Hälfte schemenhaft zwei Personen vor Nebel zu sehen. Auf der Schulter einer Person sitzt ein Vogel, weswegen es sich hierbei sehr wahrscheinlich um den einen der Protagonisten, Celtan, handelt. Im Hintergrund ist eine Stadt mit Hochhäusern zu sehen, über der mehrere Hubschrauber kreisen. Zwei helle, sich kreuzende Streifen verlaufen am rechten Rand. Quer oben sowie quer unten rahmt ein Stacheldrahtzaun das Cover ein. Mittig befindet sich der Titel sowie Untertitel des Buches. Über dem Reihentitel befindet sich der Name der Autorin. Im unteren, rechten Bereich befindet sich das Verlagslogo. Das Cover ist größtenteils in Blautönen und an der rechten Seite im Übergang zu Lila- und Rosatönen gehalten. Das Cover gefällt mir insgesamt gut, jedoch wirkt der Stacheldrahtzaun etwas zu künstlich auf mich. Besonders gut gefällt mir, dass das Cover des ersten und zweiten Bandes aneinander gelegt ein Gesamtbild ergeben werden. Somit ergeben auch die hellen Lichtstreifen einen Sinn.


Ich möchte mit der Aufmachung des Buches anfangen. Das Buch ist in vier Abschnitte gegliedert, die jeweils mit einem Zitat versehen sind. Die verschiedenen Kapitel beginnen immer mit Kapitelüberschriften, welche den genauen Ort des Geschehens angeben. Innerhalb der Kapitel gibt es jedoch manchmal auch Sprünge zu anderen Personen, die berichten, was jedoch auch mit einer Ortsangabe als Überschrift gekennzeichnet wird. So wusste ich zwar nie genau, wer mir gleich als Erzähler gegenüberstehen würde, aber immer, wo ich mich befinde. Die Geschichte wird, zum größten Teil, aus der Sicht von den vier Protagonist*innen erzählt. Es finden sich jedoch immer wieder kürzere Kapitel aus der Sicht einiger anderer Menschen, welche die Geschehnisse gut ergänzten. Ich muss ganz ehrlich sein, die Übersicht über so viele verschiedenen Persönlichkeiten und Perspektiven zu behalten, war nicht immer einfach, gerade am Anfang. Doch das ist dieses Buch auch nicht. Es soll nicht einfach sein. Immerhin handelt es sich hierbei um den Auftakt einer Dystopie. Der Schreibstil ist flüssig und sehr veranschaulichend. Ich konnte mich, dank der zahlreichen Beschreibungen, gut in die Personen und Ort hineinfinden. Wenn einen die vielen Namen oder Orte verwirren, kann man im Namens- und Ortsverzeichnis am Ende des Buches ganz einfach nachschlagen. Das fand ich sehr gut gemacht!

Diese Dystopie spielt im 23. Jahrhundert, genauer gesagt im Jahr 2261, nachdem ein Komet vor ca. 200 Jahren auf die Erde einschlug und so viel Staub aufwirbelte, dass sich der Himmel unwiederbringlich verdunkelte und die Erde deutlich abkühlte. Nun gibt es nur noch eine einzige große Nation: Die United Nation. In dieser leben die wenigen Menschen nach einem strikt vorgegebenem Leben, bei denen ihnen der Beruf, der Partner, ihr Zuhause und ihre Aktivitäten bis zur Ausgangssperre vorgegeben werden. Die United Nation wird von dem Magistratspräsidenten Hosni Elcaer mit eisiger Hand regiert. In dieser hochtechnologischen Welt mit allerlei technischen Neuerungen wie Phaserwaffen und Smartlets, leben die Menschen in verschiedenen Städten. Jeder Stadt wird eine Profession bzw. ein Aufgabenbereich zugeordnet, d.h. dass die verschieden Berufe rund um eine Berufsgruppe in einer Stadt zusammenkommen. Wenn eine Berufsgruppe als überflüssig erklärt wird, wird somit eine gesamte Stadt geschlossen und alle Menschen, die darin leben, bekommen einen neuen Beruf zugewiesen und werden umgesiedelt. Außerhalb der United Nation ist ein Leben nicht möglich, so heißt es zumindest, denn die Städte werden unterirdisch mit Wärme versorgt und außerhalb dieser ist es eisig und kalt. Dieser Bereich wird „Tote Zone“ genannt, in die alle Feinde der Nation verbannt und somit in den sicheren Tod geschickt werden.

Natürlich gibt es, wie bei jeder guten Dystopie, eine Rebellengruppe. In unserem Fall die „Human Defence Organization“, welche ähnlich einer Militärbasis aufgebaut ist. In dieser Basis leben nämlich sowohl Zivilisten, die Abseits der United Nation ein fast normales Leben führen dürfen, als auch Soldaten, Kommandeure und der Generalin Montcroix. In dieser Militärbäsis beginnt die Geschichte.

Wir lernen somit zuerst die Organisation kennen, später das Leben in der United Nation und insbesondere die Leben, der vier Hauptprotagonist*innen Aleah, Celtan, Jase und Neia. Außer, dass sie alle in der United Nation geboren wurden und 16 Jahre alt sind, verbindet sie augenscheinlich nichts – bis auf eine kleine X-förmige Narbe in ihrem Nacken, welche sie wenige Sekunden nach der Geburt erhalten haben. Was es mit dieser Narbe auf sich hat, erfahren wir im Laufe des Buches. Unsere Protagonist*innen üben zu Anfang verschiedenste Berufe aus.

Aleah ist eine Urteilsfällerin und muss über die größeren und kleineren Vergehen der Menschen Urteile verhängen, die nie schön sind. Celtan ist ein Pflanzengenetiker, welcher zwar die Aufgabe hat, die Natur, dessen Pflanzen und Tiere, zu perfektionieren, es dabei aber nicht so genau nimmt und vor allem auf einen Fledermausadler aufpasst. Jase ist ein ehemaliger Berichterstatter, dessen Beruf als überflüssig erklärt wurde, da kritisches Hinterfragen der Regierung nicht mehr gewünscht wird. Neia wurde gerad erst als Magistratin vereidigt und gehört somit quasi zur Regierung, die sich ebenfalls mit schwierigen Urteilen beschäftigen muss. Sie alle machen in ihren Berufen Erfahrungen, welche ihnen die Schattenseiten des Systems aufzeigen und können sich doch nicht dagegen wehren. Nachdem sie im Team der Human Defence Organization sind und dort ihre Ausbildung erhalten, lernen wir sie nochmal von einer anderen Seite kennen. Jede*r hat eigene Beweggründe, warum sie so handeln, wie sie es tun. Nicht bei allen war ich mir sicher, ob ich ihnen trauen kann, denn sie sind moralisch nicht immer schwarz-weiß, sondern grau. Die Entwicklung der Gruppe hat mir sehr gut gefallen. Doch auch die zahlreichen größeren wie kleineren Nebenfiguren, wie z.B. die charismatischen Zwillinge Ethan und Thane, wurden von der Autorin gut herausgearbeitet.

Dieses Buch hat mich ganz schön emotional mitgenommen. Die Menschen sind zu einem Leben, wenn man das so nennen kann, gezwungen, dass absolut rational stattfinden soll. Emotionen, Freundschaften, Liebe, … das ist alles unerwünscht. Die Menschen sollen funktionieren, produzieren und sind absolut austauschbar, fast wie Maschinen. Individualität ist nicht gewollt. Natürlich macht es das ganze System damit auch effizient, doch das, was Menschen ausmacht, verschwindet. Am schlimmsten jedoch empfand ich, dass Kinder kaum noch natürlich zur Welt kommen, sondern außerhalb des weiblichen Körpers „in vitro“ gezüchtet werden. Die Eltern bekommen dann monatliche Statusberichte über ihre Kinder, welche in der Stadt der Kinder aufgezogen werden. Sie lernen diese nicht persönlich kennen, bauen keine Beziehung zu ihnen auf und treffen sich im Verlauf ihres Lebens äußerst selten. Was soll das denn für eine Familie sein? Achso, Familien in dem Sinne gibt es somit natürlich auch nicht. Erwachsene können sich für 5 Jahre verehelichen lassen und dann einen Antrag auf Verlängerung stellen. Ganz schön absurd und deswegen irgendwie erschreckend wahrscheinlich, dass es tatsächlich so kommen könnte. Mir lief es eiskalt den Rücken herunter, denn das ist noch gar nichts das Schlimmste. Ich sage nur: Die rote Stadt.

Wie soll ich noch mehr zum Buch schreiben, ohne zu viel zu spoilern? Wie ihr bereits gemerkt haben solltet, zählt in dieser grausamen, dystopischen Welt das Leben eines Einzelnen sehr wenig. Es gibt viele, oft brutale, Szenen, die mir tief unter die Haut gingen. Ich wusste schon bald nicht mehr was Lüge und was Wahrheit war. Die vielen Geheimnisse, die vielen offenen Fragen, sie wurden im Laufe des Buches beantwortet und gelüftet, aber manchmal hätte ich die Antwort dann doch lieber nicht gehabt. Tja und dann näherte ich mich auch schon dem Ende. Bis zuletzt war mir nicht ganz klar, was das Ziel der Vier ist. Ob sie gute Absichten verfolgten oder doch gegen die Rebellen arbeiteten? Ob sie einen Plan hatten oder auf gut Glück agierten? Ich wusste es nicht. Es gab zahlreiche, unerwartete Wenden, sodass ich immer wieder dachte, ich wüsste etwas und dann doch verdutzt aus der Wäsche schaute. Der Showdown war sehr gut gemacht und ich hatte mich fast schon wieder entspannt, doch da waren noch ein paar Seiten übrig. Eine Person, allein, die eine verhängnisvolle Entscheidung trifft. Nachdem ich den letzten Satz gelesen hatte, habe ich schnell weitergetippt, um zur nächsten Seite zu gelangen und musste entsetzt feststellen, dass es das Ende der Geschichte war! Ich habe keine Ahnung, wie ich bis 2022 warten soll, um zu erfahren, wie es weiter geht. Zudem kann ich mir auch gar nicht ausmalen, wie die Charaktere heil aus dieser Sache wieder herauskommen sollen. Irgendwie werden sie, müssen sie, es einfach schaffen. Viam inveniemus! Wir werden einen Weg finden.


Der dystopische Auftakt zur Dilogie entführt uns ins 23. Jahrhundert, bei der die Erde nach einem Kometeneinschlag in Staub gehüllt wurde. Die United Nation gab den Menschen Schutz, Wärme und alles Lebenswichtige. Alles? Nunja, nicht ganz, aber überzeugt euch selbst davon. Ich mochte die vier Hauptprotagonist*innen und ihre Entwicklung, auch wenn ich absolut nicht voraussagen konnte in welche Richtung sich so manche Wende entwickelte. Mit dem Ende hatte ich jedenfalls auf gar keinen Fall gerechnet! Einzig die unglaublich vielen Namen, Orte und verschiedenen Perspektiven haben mich anfangs ein wenig verwirrt, weswegen ich 4,5 Cookies vergebe. Ich empfehle dieses Buch allen Fans von Dystopien, die es gerne auch etwas düsterer mögen. Ich kann es kaum noch erwarten, bis der zweite Band erscheint und möchte ihn bitte schon jetzt haben und nicht bis 2022 warten. Vor allem, da ich nicht mal den Erscheinungsmonat weiß und ein ganzes Jahr Warten wäre wirklich gemein!


Ich möchte mich ganz herzlich beim Dancing Words Verlag und der Autorin Karin Kratt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken.

Dienstag, 24. August 2021

[Rez(ept)ension] "The Witch Queen 01- Entfesselte Magie" von Verena Bachmann

 


Bei „The Witch Queen 01- Entfesselte Magie“ von Verena Bachmann handelt es sich um den ersten Band einer Reihe, welcher am 28.06.2021 nochmals als veredelte Liebhaberausgabe für 15,00€ im Carlsen Verlag erschienen ist. Das Buch hat in der ersten Auflage einen vierfarbigen Buchschnitt und Veredelungen aus Spotlack. Das Buch hat insgesamt 368 Seiten und kann als in sich abgeschlossener Einzelband gelesen werden. Band zwei wurde von der Autorin angekündigt und wird ebenfalls im Carlsen Verlag erscheinen.


  **Eine Königin, die keine sein möchte**
Die Hexe Enju will nach einem langen Arbeitstag in der Bar ihrer Tante nur eins: endlich in ihr Bett. Doch durch eine Verschiebung der Magie landet sie in einem Viertel der Stadt, in das sie normalerweise niemals einen Fuß setzen würde. In Lapislazuli spielt die Magie schon seit geraumer Zeit verrückt. Doch vor dem Club der Totenbeschwörer fühlt sie sich besonders seltsam an. Dort muss etwas Grausames geschehen sein, für das Enju plötzlich verantwortlich gemacht wird. Um ihre Unschuld zu beweisen, muss sie mit dem attraktiven Anführer der Beasts zusammenarbeiten, der eine ungeahnte Anziehung auf sie ausübt. Aber je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto näher kommt er dem Geheimnis um die wahre Königin der Hexen ...


„Wenn es nach mir ginge, würde ich meinen Samstagabend wie folgt verbringen: Zuerst würde ich ein langes entspannendes Schaumbad nehmen und mich danach mit einer großen Tasse heißer Schokolade und einem Buch gemütlich auf mein Sofa lümmeln.“ (Seite 9)

 

Von der Autorin Verena Bachmann habe ich noch kein Buch gelesen, jedoch schon einige positive Meinungen gelesen und auch ein paar Bücher auf dem SuB. Ich bin sehr gespannt, wie mir ihr Romantasy-Hexenbuch gefallen wird, denn wenn ein Verlag schon eine veredelte Ausgabe zu einem bereits erschienenen Buch herausbringt, muss dieses doch a) sehr gut laufen b) sehr beliebt sein und c) den Verlag selbst überzeugt haben. Meine Erwartungen sind demnach sehr hoch, auch, da ich mal wieder richtig Lust auf eine Hexengeschichte habe.


Im Zentrum des Covers steht eine junge Frau, welche wohl die Protagonistin Enju darstellen soll. Sie steht seitlich, halb abgewandt scheint und über die Schuler den Leser direkt anzuschauen. Sie trägt ein schwarzes Kleid und hat rote Haare. Um sie herum sind Rauchschaden in verschiedenen Grau-, Schwarz- und Rottönen, welche dem Cover eine mystische Note geben. Der Spotlack, welcher ebenfalls als Rauchschwaden dargestellt wird, gibt dem Cover den letzten Schliff. Insgesamt gefällt mir das Cover sehr gut und macht mich sehr neugierig auf die Geschichte.


Der Verlag selbst gibt die Klappbroschurausgabe als „veredelte Liebhaberausgabe“ an und damit trifft er genau ins Schwarze. Das Buch hat in der ersten Auflage einen vierfarbigen Buchschnitt, welcher passend zum Cover in Grau-, Schwarz- und Rottönen gehalten ist und den Rauch auf dem Cover wieder aufgreift. Das Cover sowie die Klappen sind mit Spotlack-Elementen in Rauchform überzogen und lassen sich als Erhebung befühlen. Die Klappen im Inneren wurden mit Zitaten und Zeichnungen verziert. Insgesamt macht die Ausgabe einen hochwertigen Eindruck und ich freue mich, ihr einen Platz in meinem Regal geben zu können.

Die Kapitelanfänge haben eine Kapitelüberschrift und ein Symbol, welches entweder Rauch oder Feuer darstellen soll. Die Geschichte wird aus der Sicht der Protagonistin Enju erzählt. Der Schreibstil ist dabei flüssig, jugendlich und locker. Ich war sofort in der Geschichte drinnen und wollte auch nicht mehr raus.

Der Weltenaufbau der Autorin konnte mich gleich für sich einnehmen! Sie hat es geschafft eine komplexe und dennoch verständliche neue Welt zu erschaffen, in der sehr viele magische Wesen ihren Platz finden. Insgesamt gibt es in der magischen Stadt „Lapislazuli“ ziemlich viele Gruppierungen: Die Hexen, die Nekromanten, die Beasts (=Gestaltwandler), die Anima Plus (=Tierbeschwörer), die Hexenmeister, die weißen Damen, die Wallküren und noch viele mehr. Sie alle sind dem Rat unterstellt, welcher jeweils ein Mitglied der Gruppierungen enthält. Jede der Gruppierungen hat natürlich noch einige Untergruppierungen. So haben z.B. die Hexen mehrere Coven, wie den schwarzen Coven. Die Hexen werden von einer eigenen Königin regiert. Die Beasts haben einen Alpha. Puh, wirkte ziemlich viel am Anfang, doch hauptsächlich wird sich im Buch auf die Hexen, Hexenmeister und Beasts konzentriert.

Das Buch beginnt damit, dass Enju ihren Abend in dem Stripclub ihrer Tante verbringt und eigentlich überall lieber wäre als dort. Tja, das hätte sie sich wohl nicht wünschen sollen, denn kurze Zeit und eine verrücktspielende Magie später findet sie sich mitten in einem Club der Nekromanten unter zahlreichen Leichen wieder. Total blöd! Besonders blöd, wenn der Alpha der Beasts auftaucht und denkt, dass Enju dafür verantwortlich ist. Tja, und wenn dann noch der Rat beschließt sie als Hauptverdächtige auf den Scheiterhaufen zu bringen, dann ist der Tag gelaufen. Gut nur, dass Enju bis zum „Red Moon“ Zeit hat ihre Unschuld zu beweisen. Doch dafür muss sie mit dem Alpha der Beasts, Kayneth, zusammenarbeiten und der ist nicht nur teuflisch stark, sondern auch genauso heiß wie stur. Eine explosive Mischung, die mir ziemlich viel Freude bereitet hat.

Enju als Protagonistin war sehr humorvoll, schlagfertig, taff, stark und immer für eine verrückte Aktion zu haben. Sie hat aber auch eine freundliche, liebevolle und tollpatschige Seite, was man im Umgang mit ihren Tanten und ihrer Freundin gemerkt hat. Sie hat ein überaus großes Geheimnis, weswegen sie sich in den letzten Jahren von ihrem Coven ferngehalten hat. Ihr Geheimnis wird relativ frühzeitig gelüftet und ich konnte ihre Beweggründe sehr gut nachvollziehen, warum sie dieses Geheimnis für sich behalten hat. Natürlich ist auch Kayneth dem großen sowie einigen kleinen Geheimnis auf der Spur, was Enju in so manche brenzlige Lage bringt.

Kayneth ist der Alpha der Beasts und als Alpha natürlich gewohnt, dass seine Befehle immer befolgt werden. Enju denkt aber gar nicht daran auf ihn zu hören, was zu der einen oder anderen explosiven Situation führt bei dem ich die Dialoge geradezu inhaliert habe. Kayneth rettet Enju aus der so mancher brenzligen Situation und ist für sie da, wenn sie ihn braucht – ob sie nun will oder nicht. Langsam entwickelt sich etwas zwischen den beiden und die Funken sprühen deutlich.

Ich muss schon sagen, dass ich geradezu durch die Seiten geflogen bin. Der Spannungsbogen zieht sich über das gesamte Buch, sodass immer etwas passiert ist und ich kaum das Bedürfnis hatte das Buch zur Seite zu legen. Genauso ging es mir mit dem Humor, welcher mich ebenso an die Seiten fesselte. Es gibt ziemlich viel Magie, eine Prise knisternde Erotik, einzigartige Charaktere und spannende Wendungen. Was mich manchmal jedoch ein wenig abgeschreckt hat waren die „gruseligen/brutalen“ Szenen, wie beispielsweise die Szene im Club, bei der Enju so viele Leichen gefunden hat. Mein sehr empfindliches Gemüt, welches keine Horrorfilme schaut, kam da schon nah an seine Grenzen. Davon ließ sich im Klappentext nichts erahnen und so musste ich beim Lesen öfter mal innehalten, um mein Kopfkino zu beruhigen. Dies ist jedoch auch mein einziger größerer Kritikpunkt.

Und schon war es da: Das Ende! Ganz schön schnell und ein wenig zu schnell vorbei, aber dennoch spannend geschrieben. Ich hätte mir da noch ein wenig „mehr“ gewünscht, aber an sich war es zufriedenstellend. Ganz zum Schluss gab es nochmal ein Bonuskapitel, welches hier jetzt spoilern würde. Jedoch habe ich mich sehr über dieses gefreut und empfand es auch als sehr passendes Ende-Ende. Es bleiben jedoch einige Fragen für mich offen und so freue ich mich, dass es weiter gehen wird. Es wäre auch zu schade für diese riesige Welt, die noch so viel Potential hat, dieses nicht auszuschöpfen. Außerdem möchte ich unbedingt erfahren, wie es zwischen Enju und Kayneth weiter geht ;). Lediglich die „gruseligen/brutalen“ Szenen und das zu schnelle Ende minderten für mich ein wenig den Lesespaß. Ansonsten kann ich das Buch voll und ganz empfehlen.


Die Welt von Lapislazuli, welche die Autorin geschaffen hat, konnte mich rundum überzeugen. Die einzigartigen Charaktere, besonders die Protagonistin Enju mit ihrem Humor, haben die Geschichte rund gemacht. Der Schreibstil ist flüssig, der Spannungsbogen von Anfang bis Ende da. Lediglich die „gruselig/brutalen“ Szenen waren etwas zu viel für mein Gemüt und auch das Ende hätte ein wenig „mehr“ sein können. Die Bonusszene macht dies allerdings wieder weg. Insgesamt bekommt das Buch 4,5 Cookies und ich freue mich sehr auf den nächsten Band! Da ist so viel Potential, es könnten von mir aus ruhig noch mehr Bände werden. Ich hoffe, dass Band 2 schon bald und ebenfalls in einer veredelten Liebhaberausgabe mit farbigem Buchschnitt erscheinen wird.


Ich möchte mich ganz herzlich beim Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken! 

 

Sonntag, 21. März 2021

[Rez(ept)ension] "The Loop 01- Das Ende der Menschlichkeit" von Ben Oliver

 


Bei „The Loop 01- Das Ende der Menschlichkeit“ von Ben Oliver handelt es sich um den ersten Band einer Trilogie, welcher am 01.10.2020 für 15,00€ im Carlsen Verlag erschienen ist. Das Buch hat 400 Seiten. Band zwei erscheint bereits am 26.08.2021, ebenfalls im Carlsen Verlag.

Jeder Tag im Loop ist die Hölle. Seit zwei Jahren sitzt Luka im Hightech-Jugendgefängnis und wartet auf seine Exekution. Eingesperrt in einer dunklen Zelle, lässt er einmal am Tag die schmerzhafte Energie-Ernte über sich ergehen, die ihm jegliche Kraft raubt. Die immergleiche Routine zerrt an seinen Nerven – bis sich alles ändert. Wachen verschwinden, Insassen nehmen sich das Leben, ein Ausbruch aus dem Loop scheint nun möglich. Doch Gerüchten zufolge kursiert draußen ein Virus, das Menschen in Killermaschinen verwandelt. Und plötzlich ist ungewiss, wo die größere Gefahr lauert …


„Die Energieernte beginnt.“ (Seite 9)

 

Das Buch ist vor ca. einem halben Jahr auf dem deutschen Buchmarkt erschienen und überall lese ich gute Rezensionen zum Buch. Der Klappentext liest sich wie eine Mischung aus Sci-Fi, Dystopie und Actionthriller. Ich erwarte mit demnach ein spannendes Jugendbuch, welches sich um das Hightech-Jugendgefängnis aus der Zukunft dreht. Da sich das Buch bereits in der 3.Auflage befindet, sind meine Erwartungen auch dementsprechend hoch.


Das Cover besticht durch den Titel, denn das Wort „Loop“ ist komplett über das schwarze Cover als weißliche Gefängnisgänge gestaltet, welche wohl das Jugendgefängnis darstellen sollen. Die Gänge sind durch Gittertüren unterbrochen, es stehen „Schränke“ darin und in jedem Buchstaben kann man ein kleinen Menschen erkennen. Abgerundet wird das Ganze durch blaue Akzente zwischen den Buchstaben und als Gitternetze auf dem Cover verteilt. Zudem finde ich es sehr gut, dass der Carlsen Verlag das Originalcover nicht nur übernommen, sondern sogar verbessert hat. Die zusätzlichen Details finde ich sehr gelungen und auch die Rückseite konnte mich mit dem Fingerabdruckscann überzeugen. Insgesamt ein gelungenes, ansprechendes Cover, welches mich gleich zum Lesen des Klappentextes verleitet hat.


Zuallererst möchte ich sehr gerne etwas zur Aufmachung des Buches schreiben. Die einzelnen Kapitel sind immer genau so lange, wie ein Tag lang ist, woraus sich natürlich verschiedene Kapitellängen ergeben. Jedes Kapitel hat eine gestaltete Überschrift, bei der wir erfahren, um welchen Tag es sich handelt. Das Buch unterteilt sich in Tage im Loop, Tage außerhalb des Loops und die Tage im Block. Diese Aufteilung finde ich sehr gut gemacht. Eine Besonderheit des Buches besteht außerdem durch den blauen Buchschnitt, welches die Klappbroschur zusätzlich aufwertet.

Der Schreibstil des Buches ist einfach gehalten und besticht durch seine kurzen, verständlichen Sätze. Die Fachbegriffe werden immer gleich erklärt. Das Buch ist aus der Perspektive des Protagonisten Luka Kayne geschrieben, von dem wir in den ersten Kapiteln zunächst nur seine Nummer erfahren: Insasse 9-70-981.

Während wir Luka zunächst bei seinem Tagesablauf im Loop begleiten erfahren wir einige Dinge über das Loop, sein früheres Leben und die Welt, in der Luka lebt. Diese Welt wird unterteilt in „Reguläre“ und „Modifizierte“. Die „Modifizierten“ sind Menschen mit technischen Veränderungen, die sich selbst für etwas Besseres halten. Sie sind quasi Cyborgs, ziemlich reich und die Oberschichte. Die „Regulären“ sind ziemlich arm, versuchen sich über Wasser zu halten und gegen die Versuchungen wie Drogen anzukämpfen. Dadurch geraten die Armen schnell in Situationen, die nicht immer legal sind und geraten dadurch schneller ins Gefängnis wie z.B. das Loop oder der Block.

Das Loop ist ein 155 Zellen großes Hightech-Jugendgefängnis für Straffällige unter 18 Jahren, die in größtmöglicher Isolation in ihrer Zelle leben und von „Happy“ ihre Informationen bekommen. „Happy“ ist das Betriebssystem der Zukunft nach dem dritten Weltkrieg, welches fast alles reguliert. „Happy“ ist eine künstliche Intelligenz und auch Richter und Wächter der Menschen. In jeder Zelle ist ein Monitor mit „Happy“ integriert und bis auf die eine Stunde Hofzeit und die Interaktion mit der einzigen menschlichen Wärterin Wren, ihr einziger Kommunikationspartner. Das Loop tarnt sich zwar als Gefängnis, jedoch hat es für mich den Beigeschmack eines Versuchslabors bekommen, da die Insassen dort auf ihre Exekution warten, wenn sie nicht alle sechs Monate einen Aufschub annehmen. Dieser Aufschub verlängert zwar ihr Leben, birgt jedoch auch einige Risiken, da sie sich den Versuchen und Veränderungen an ihrem Körper aussetzen. Von kleinen Veränderungen, wie Impfungen, bis hin zu größeren Veränderungen, an denen man auch sterben kann, wie Körperteilamputationen, ist alles möglich. Zudem findet an jedem Abend eine sechsstündige Energieernte statt, welche das Loop mit Strom versorgt. Klingt alles ziemlich krass, was es auch ist – und dabei ist es noch nicht einmal das Schlimmste, was den Häftlingen passieren kann. Denn nach dem 18.Geburtstag wartet „Der Block“ auf sie, von dem die schlimmsten Gerüchte kursieren.

Luka war mir von Anfang an sympathisch. Zwar weiß man als Leser, dass er aus irgendeinem Grund im Gefängnis sitzt und diesen Grund erfährt man auch im Laufe der Geschichte, jedoch lässt er sich von der Wächterin Wren regelmäßig mit Büchern versorgen. Luka liest sehr gerne, hat 189 Bücher in seiner Zelle und dies ist in dieser digitalen Welt voller Technik mit Stirnkameras und Augenlinsen nicht mehr selbstverständlich. Er ist ein eher schüchterner Charakter, der plötzlich eine riesige Chance erhält und diese auch nutzt. Dadurch gerät er in eine Art Anführerrolle, die er zwar einerseits gerne haben möchte, aber vor der er auch sehr viel Respekt hat. Im Laufe der Geschichte nimmt er eine wichtige Rolle ein, verändert sich zum Positiven und wird stärker.

Die Geschichte besticht zudem durch die zahlreichen Nebencharaktere, die zum Teil ausgebaut wurden und zum Teil recht blass bleiben. Bei einigen Charakteren wie Wren, der Wächterin, oder Kina, der Neuen im Loop, hat mir die Entwicklung sehr gut gefallen. Sie wurden etwas mehr ausgebaut und blieben trotzdem recht blass. Einige Nebencharaktere konnte ich mir vorstellen, sie haben auch ein paar Aktionen, doch insgesamt blieben sie sehr stark im Hintergrund. Es waren einfach zu viele, um jedem seine Bühne geben zu können. Ein Hauch von Liebesgeschichte gab es zwar auch, doch diese bewegte sich sehr stark im Hintergrund. Für den zweiten Band wünsche ich mir, dass die Haupt-Nebencharaktere noch stärker ausgebaut werden und sich die zarte Liebesgeschichte entwickeln kann.

Die Geschichte spielt hauptsächlich im Loop und braucht ein wenig, bis sie dann an Fahrt aufnimmt. Nachdem die Spannung jedoch aufgekommen ist, weicht sie nicht mehr von den Seiten. Ständig passiert etwas anderes aufregendes, mit dem ich so nicht gerechnet hätte. Nur sehr wenige Dinge waren vorauszuahnen, weswegen ich ab dem zweiten Drittel nur so an den Seiten hing. Ich möchte so wenig spoilern wie möglich, doch das Verhalten der Menschen draußen, die Weltregierung, der *Beep* - das alles ist so mitreißend, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Das Ende war dann ein super fieser Cliffhanger. Ich war noch mitten in der Geschichte und wollte wissen, wie es weitergeht! Zum Glück muss ich nun nicht mehr ganz so lange warten.


Dieses Buch beinhaltet eine superspannende Geschichte über den Protagonisten Luka, welcher im Hightech-Jugendgefängnis sitzt. Nachdem anfänglich die Geschichte etwas gebraucht hat, um an Fahrt aufzunehmen, gibt es nach einigen unerwarteten Wendungen ziemlich viel Spannung. Die Geschichte endet mit einem unglaublich fiesen Cliffhanger. Da es sehr viele blasse Nebencharaktere und eine zarte Liebesgeschichte gibt, vergebe ich insgesamt 4,5 Cookies. Dies sind jedoch auch mein einzigen Kritikpunkte. Ich warte nun sehnsüchtig auf den zweiten Band, um ganz schnell weiterlesen zu können.


Ich möchte mich recht herzlich beim Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken.

Donnerstag, 7. Februar 2019

[Rez(ept)ension] "The Belles 01- Schönheit regiert" von Dhonielle Clayton


Dies ist der erste Band einer bisher als Dilogie geplanten Reihe, welcher am 11.02.2019 beim Thienemann-Esslinger Verlag erschienen ist und von der Autorin Dhonielle Clayton geschrieben wurde. Das Buch ist bislang als Hardcover und E-Book erschienen und umfasst beim Hardcover 512 Seiten bei einem Preis von 19,00€. Ich möchte mich recht herzlich beim Thienemann-Esslinger Verlag und der Netzwerk Agentur Bookmark für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken.


Glitzernd, glanzvoll, grausam – willkommen in der Welt der Belles!
Die Welt von Orléans wird von Hässlichkeit bestimmt, und nur die Belles können den Menschen Schönheit verleihen. Camelia ist eine Belle – schön, begehrt, mit magischen Fähigkeiten. Am Königshof will sie allen zeigen, dass sie die Beste ist. Doch hinter den schillernden Palastmauern lauern dunkle Geheimnisse. Camelia erkennt, dass ihre Fähigkeiten viel stärker und gefährlicher sind, als sie es je für möglich gehalten hätte. Sie sind eine Waffe, die sich andere zunutze machen wollen. Daher muss sie sich entscheiden: Soll sie die Tradition der Belles bewahren oder ihr eigenes Leben riskieren, um ihre Welt für immer zu verändern? Das Schicksal der Belles und von Orléans liegt mit einem Mal in ihren Händen …


„Wir alle sind heute sechzehn geworden.“ (Seite 11)

 

Ich habe das Buch schon auf Englisch verfolgt und bin richtig glücklich, dass es übersetzt wurde und so eine schöne Gestaltung bekommen hat! Die Grundidee des Buches hat mich gleich fasziniert: Eine Welt, eingeteilt in Menschen, die schön und hässlich sind und nur die Belles können ihnen Schönheit verleihen. Na, wenn ich da aber mal nicht eine Parallele zum ganzen Beauty-Wahn ziehen kann, dann weiß ich auch nicht. Ich erwarte vom Buch Magie, Oberflächlichkeiten, unerwartete Wendungen und eine Camelia, deren ganze Welt auf den Kopf gestellt wird. Der letzte Satz des Klappentextes klingt zumindest sehr dramatisch und ich bin gespannt in welche Richtung das Buch geht.


Das Cover ist ein optisches Highlight, bestehend aus einer bedruckten, durchsichtigen Folie, welche zusammen mit dem Motiv auf dem Buch ein blühendes Traumkleid entstehen lässt. Nimmt man die Folie ab ist das Buch immer noch schön, denn so sieht man die Wurzelranken, welche unter dem Blumenkleid liegen. Das Motiv des Buches ergibt mit Folie und Druck auf dem Buch ein Mädchen, welches man von hinten sieht und die Hände in die Hüften ihres Kleides stemmt. Das Kleid besteht aus blühenden Blumen und grünen Blättern. Ich liebe es! Das Cover ist eines meiner optischen Highlights in diesem Jahr. Ich hoffe, dass das Cover vom nächsten Band mindestens genauso schön ist und die Teile im Regal richtig schön zusammenpassen.


Zuallererst muss ich auf die wunderschöne Aufmachung des Buches eingehen. Die Karte, welche ganz vorne und hinten im Buch abgedruckt wurde. Die Karte ist eine Zeichnung des Königreichs Orléans mitsamt seinen ganzen Inseln. Zu Beginn jeden Kapitels ist die gleiche Blume wie auf dem Cover abgebildet. Mit den Schriften wird gespielt, wenn Nachrichten per Postballon kursiv gedruckt sind oder Schlagzeilen aus Zeitungen in einer anderen Schriftart gedruckt wurden.

Der Schreibstil konnte mich gleich von Anfang an abholen. Er ist nicht so „gewöhnlich“, wie bei der Masse anderer Bücher, sondern ziemlich gehoben, fast poetisch. Ich würde ihn auch als blumig bezeichnen, ohne hier ein extra Wortspiel machen zu wollen. Die vielen französischen Begriffe, die einfließen und dennoch jeder verstehen kann, haben mir sehr gut gefallen. Von der ersten Seite hat er mich an die Seiten gefesselt und so hatte ich das Buch in wenigen Tagen ausgelesen.

In Orléans gibt es die Grauen und die Belles, welche göttlicher Abstammung sind. Die Geschichte der Abstammung der Belles und der Ursprung für die Hässlichkeit der Menschen empfand ich als gut durchdacht. Grob zusammengefasst haben sich der Gott des Himmels und die Göttin der Schönheit ineinander verliebt und daraus entstanden die Menschen. Doch der Gott des Himmels wurde eifersüchtig auf die Menschen und verfluchte sie zur Hässlichkeit: Graue Haut, rote Augen und stumpfes Haar. Die Gris waren geboren. Der Himmel schuf die Belles als Antwort darauf. Sehr kreative Geschichte, doch ob diese auch der Wahrheit entspricht lasse ich jetzt einmal offen. Mit diesem Wissen wächst Camelia, als eine von sechs Belles ihrer Generation, sehr behütet auf. Zusammen mit ihren „Schwestern“ erlernt sie alles, was man als Belle können muss, von der strengen Du Bary. Besonders ihre Arcanas, die Quelle ihrer „Magie“, und die Schönheitsgesetze sind Du Bary sehr wichtig.

Mit der Freundschaft zwischen Camelia und ihrer Schwester Ambra bin ich nicht so warm geworden. Zwar haben die beiden immer wieder Freundschaft beteuert und in den Erinnerungen von Camelia wurde diese auch so dargestellt, jedoch habe ich es mehr als Wettstreit wahrgenommen, was es ja auch ist. Die Schwestern kämpfen untereinander um den Titel der Favoritin. Nur eine kann Germanys next – Moment. Das war was anderes! Aber so ein wenig habe ich es schon empfunden, denn nur die Favoritin darf im Palast dienen. Da kam mir die Freundschaft zu ihren anderen Schwestern doch sehr viel näher. Am Tag ihres sechzehnten Geburtstags müssen die Schwestern ihre Fähigkeiten vor dem gesamten Königreich präsentieren. An diesem Tag steigt der Leser in die Geschichte ein und erfährt aus der Perspektive von Camelia, wie es ihr fortan ergeht.

Camelia war mir gleich von Beginn an sympathisch. Sie ist ehrgeizig sowie fast schon krankhaft perfektionistisch und dennoch liebenswert, originell, zielstrebig, aber anfangs doch sehr naiv. Das legt sich aber mit Voranschreiten der Geschichte und sie entwickelt sich immer mehr. Obwohl sie wie eine überkorrekte Person erscheint, so bricht sie doch manchmal die eine oder andere Regel. Ob geplant oder ungeplant, das lässt sie jedoch gleich viel sympathischer wirken. Es gab auch eine leichte Liebesgeschichte, die jedoch so ganz anders ablief, als ich es gewohnt bin. Sie ist nicht aufdringlich, sondern entwickelt sich gemächlich und zurückhaltend, wie eine zarte Blume, die gepflegt werden will. Das hat der Geschichte jedoch gut getan, denn alles andere hätte einfach nicht gepasst. Da war ich am Ende ja auch wirklich … geschockt, verwirrt, enttäuscht und noch viel mehr. Aber ich will nicht zu viel verraten und ich bin auch noch nicht sicher, ob da alles so ist, wie es scheint.

Ich mochte Camelias Art, die Menschen zu sehen, sehr. Sie unterteilt die Menschen nicht in schön und hässlich, sondern sie findet alle Menschen auf ihre natürliche Art schön. Ganz zu meiner Verwunderung war sie kaum oberflächlich und skrupellos. In einer Welt in der Schönheit das einzige ist was zählt und bereits Kinder im Alter von fünf Jahren zu Verschönerungen gezwungen sind, in der jeder jeden übertrumpfen und noch schöner sein will, in so einer Welt möchte sie den Menschen eigentlich nur zeigen, wie schön sie doch jetzt schon sind. Doch das ist so nicht gewünscht, was die Belle auch schnell merkt. Schönheit, hübsche Kleider, Perfektion, ein guter Ruf, Macht, Intrigen und Gesetze bestimmen das Leben der Menschen, der Gris, der Grauen. Und das lassen sie sich einiges kosten. Doch hinter dieser Maske der Schönheit liegt eine hässliche Fratze. Da passt das Sprichwort ‚es ist nicht alles Gold, was glänzt‘ ganz hervorragend. Denn wirklich hinter jedem schönen Gesicht kann sich Hässlichkeit verbergen und der schöne Schein trügt leicht – auch mich!

Generell sind die Charaktere der Autorin sehr gut ausgearbeitet, obwohl es so viele sind. Das muss man als Autorin auch erst einmal können! Camelia begegnet sehr vielen unterschiedlichen Menschen und Belles. Einige mochte ich von Anfang an, bei anderen war ich skeptisch. Normalerweise habe ich da ein ganz gutes Gespür wem man vertrauen kann und wem nicht. Doch auch hier gilt wieder: Der Schein trügt. Nicht alle, die sich in mein Herz geschlichen haben, haben sich diesen Platz verdient. Irgendwann wusste ich gar nicht mehr, wem ich noch vertrauen kann und wem nicht. Arme Camelia. Bei der königlichen Familie war ich mir jedoch von Anfang an am unsichersten. In Camelias Welt gibt es nämlich eine Monarchie, die von der königlichen Familie regiert wird. Die Königin hat die meiste Macht im Land, da die Erbfolge über die weibliche Linie vererbt wird. Die Königin blieb lange distanziert und ich wusste nicht so recht, wie ich sie einschätzen soll. Der König spielt nur eine Nebenrolle. Bei der Prinzessin hatte ich von Anfang an ein schlechtes Gefühl, doch ob ich damit richtig oder falsch lag, das müsst ihr selbst herausfinden. Zu guter Letzt gibt es dann noch die Thronerbin, welche seit Jahren in einem tiefen Schlaf liegt. Hierzu gibt es eine ganz eigene Wende, die ich so nicht erwartet hätte.

Unerwartete Wendungen gab es von Anfang an und wurden zum Schluss hin immer mehr. Einige habe ich schon vorhersehen können, doch bei anderen war ich wirklich schockiert! Und wieder andere haben mir gut gefallen und ich habe mich gefreut, dass es doch nicht so ist, wie ich erst dachte. Einige Wendungen, die ich mir gewünscht habe, blieben aber aus. Da hoffe ich auf den nächsten Band. Ziemlich kryptisch, doch man muss das Buch einfach gelesen haben, um zu verstehen was ich damit genau meine. Und dann kam schon das Ende. Einfach so! Es fühlte sich an, als würde die Geschichte mitten drin enden. Ich habe die Seite umgeschlagen, in Erwartung eines letzten Kapitels, doch da kam nichts mehr! Das Buch endet also mit einem riesigen Cliffhanger und gefühlt mitten in der Story. Nach dem Ende kann ich nur hoffen, dass der zweite Band schnellstmöglich auf Deutsch erscheint. Im Original erscheint der zweite Band im März 2020 und so hoffe ich, dass der Verlag schnell nachzieht und wir das Buch ebenfalls nächstes Frühjahr lesen können. Ich bin schon sehr gespannt auf das Cover. Ich tippe ja auf einen Blauton, angelehnt ans Original und ihr?


Die Welt der Belles, dem Königreich von Orléans, bietet einen einzigartigen Weltentwurf, durchdachte aber nicht immer sympathische Charaktere, einen blumigen und französisch angehauchten Schreibstil sowie einige unerwartete Wendungen. Mir hat ein wenig die Rebellion gegen das System gefehlt, doch ich vertraue da auf den zweiten Band, da das Ende einen großen, unerwarteten Cliffhanger bietet. Das Buch ist noch nicht einmal im Handel erhältlich, da wünsche ich mir bereits den Nachfolgeband, denn ich muss unbedingt wissen wie es mit den Belles weitergeht. Nach diesem Ende kann der Verlag gar nicht schnell genug mit der Übersetzung sein. Ich gebe dem Buch somit 4,5 Cookies und freue mich, noch einmal in dieses großartige Setting abtauchen zu dürfen.





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