Mittwoch, 28. März 2018

[Rez(ept)ension] "Krieger der Lüfte" von Marion Hübinger


Dies ist ein Einzelband, welcher am 08.03.2018 beim Papierverzierer Verlag erschienen ist und von der Autorin Marion Hübinger geschrieben wurde. Das Buch ist bislang als E-Book bei einem Preis von 3,49€ und als Taschenbuch bei einem Preis von 13,95€ erschienen und umfasst 320 Seiten.


Leylas Freund wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich mit ihr zusammenzuziehen. Doch statt mit ihm gemeinsam Pläne zu schmieden, bucht die junge Verlagsangestellte spontan eine längere Pilgertourvon München nach Lindau, um der endgültigen Entscheidung aus dem Weg zu gehen. Ob da das Schicksal seine Finger im Spiel hat, da sie am vierten Tag bei einem harmlosen Spaziergang im Klosterpark in eine völlig fremde Welt katapultiert wird? Eine Welt, in der sie von dem gut aussehenden Akim, einem der letzten Angehörigen seines Volkes, gefunden wird. Für ihn ist gleich klar, dass sie gerufen worden ist, um den Krieger der Lüfte, einen riesigen mörderischen Adler, zu vernichten. Ihre folgenschweren Entscheidungen beeinflussen allerdings nicht nur das Leben von Akims Volk – sie betreffen auch ihr Leben, zumal sie mehr als nur einem Feind gegenübersteht.


„Nichts hätte ihn darauf vorbereiten können.“ (Position 41)

 

Von der Autorin habe ich bislang zwei Bücher gelesen. Das eine Buch konnte mich mit seinem dystopischen Setting genau abholen, das andere Buch war ihr Debüt im Fantasygenre, welches mir leider nur mäßig gefallen hat. Da ich aber inzwischen weiß, dass die Autorin einen riesigen Sprung in der Schreibentwicklung zwischen diesen beiden Werken hingelegt hat, erhoffe ich mir somit ein ebenso gutes Werk wie „Water Love“ eines war. Bei dieser Autorin weiß man eben nie, was man genau bekommt, aber eines ist absolut sicher: Die Charaktere sind etwas ganz Besonderes. Meine Erwartungen an mein erstes Papierverzierer-Buch sind demnach sehr hoch, aber ich kann fühlen, dass es mich nicht enttäuscht wird.


Um das Cover herum, aber dennoch im Cover, befindet sich eine helle Umrandung. Im oberen Drittel des Covers sieht man den Titel des Buches mitsamt dem Namen der Autorin. Ein besonderer Blickfang stellt hierbei der kleine Adler in derselben Farbe wie die der Schriftfarbe dar. Ganz links unten befindet sich das Logo des Verlags. In der Mitte des Covers befindet sich ein riesiger Adler, welcher seine Schwingen breit gefächert hat. Dieser fliegt über einen See, welcher am steinernen Ufer schaumig bricht. An diesem Ufer befindet sich die Silhouette einer jungen Frau, welche wahrscheinlich die Protagonistin Leyla darstellen soll. Im See befindet sich eine Insel, auf der man die Steinreste einer zerfallenen Stadt erkennen kann. Um diese Ruine herum erheben sich zahlreiche Vögel in die Luft. Im Hintergrund lässt sich zwischen Wolken und Nebelschwaden ein gigantischer Berg erahnen, welcher zum Teil von Schnee bedeckt ist. Ich finde das Cover großartig! Es sieht auf den ersten Blick aus wie ein Gemälde. Eben so, als ob es von einem Künstler mit Ölfarbe auf eine Leinwand gebannt worden wäre. Die Farbgebung erinnert an eine untergehende Sonne und wirkt an einigen Stellen düster, an anderen Stellen freundlich. Ich kann mich gar nicht satt genug an diesem umwerfenden Cover sehen. Wer auch immer es erstellt hat, hat wirklich gute Arbeit geleistet! Wenn ich mal Geld zu viel habe, wird es in meinem Regal einziehen, denn nur für den Reader ist es mir viel zu schön.


Das Buch beginnt gleich mit einer regelrechten Besonderheit, die ich so auch noch nicht oft lesen durfte. Der Prolog ist aus der Sicht des männlichen Protagonisten Akim geschrieben, welcher nur in diesem einzigen Kapitel zu Wort kommt. In welchem Buch findet man sowas? In ein paar Büchern, richtig. Aber das war noch längst nicht alles. Ansonsten ist das gesamte Buch nämlich aus der Sichtweise der weiblichen Protagonistin Leyla geschrieben. Der Schreibstil ist unglaublich bildhaft, an einigen Stellen sehr humorvoll und mitreißend. Aber der Clou ist, dass der Prolog schon ziemlich viel vom Ende des Buches verrät, was mich im ersten Moment total schockiert hat, im zweiten Moment mich aber unbedingt hat wissen lassen wollen, wie es dazu kam. Immerhin werden die Leser von der Autorin hier bewusst auf die fortgeschrittene Geschichte gespoilert. Entweder dem Leser gefällt sowas also gar nicht und fühlt sich veräppelt oder er reagiert mit genau der feurigen Neugierde, welche ich an den Tag gelegt habe, und stürzt sich kopfüber ins Buch.

Dort traf ich dann auf die Protagonistin Leyla. Leyla hat ein tolles Leben und in ihren jungen Jahren so ziemlich alles erreicht was man sich nur wünschen kann. Sie arbeitet in einem angesehenen Verlagshaus, ihr Job bereitet ihr große Freude, sie hat einen wundervollen Freund, welcher ebenfalls im selben Verlagshaus arbeitet und dessen Bild in einem Lexikon unter „perfekt“ zu finden ist, einen ganzen Haufen Freunde und mit dem Klettern ein außergewöhnliches Hobby für sich entdeckt. Eigentlich könnte sie nicht glücklicher sein. Eigentlich – denn als ihr Freund mit ihr zusammenziehen will bekommt Leyla kalte Füße, bucht sich eine Pilgerreise und ist auf und davon. Ufff. Zuerst habe ich diese Entscheidung gar nicht verstanden, denn Leyla und ich sind da wohl grundverschiedene Typen. Es fiel mir schwer mich in ihre Denkweise reinzuarbeiten, aber dennoch war sie mir sympathisch. Komischerweise macht mir der Fakt, dass sie so ihre Macken hat, obwohl sie von außen scheinbar perfekt wirkt, sie mir dann noch sympathischer. Wir alle kennen diese scheinbar perfekten Menschen, die alles können, denen alles gelingt und die ein perfektes Leben führen. Die Autorin spielt bewusst damit, dass eben nicht immer alles so ist wie es scheint.

Nicht mal die alte Linde im Klosterpark ist das, was sie vorgibt zu sein und schon befindet sich Leyla mitten in einer fremden Welt, welche ihr vollkommen fremd ist. Während sie anfangs noch an ein Missverständnis glaubt, so wird ihr beim herumirren im Wald klar, dass sie nicht so leicht zurückkommt. Auf ihrer Suche nach nichts Bestimmten trifft sie unerwartet auf Akim, einem jungen Mann, welcher ihr schlussendlich hilft und sie zu ihrem wahren Schicksal führt. Denn Leyla ist die Auserwählte aus dem Land des gespaltenen Baums. Ihre Aufgabe ist es den Krieger der Lüfte, den Adler Redla und seine Krähenarmee zu besiegen und Akims Volk aus dessen Krallen zu befreien. Leyla ist heillos überfordert. Kann sie es wirklich schaffen ein ganzes Volk vor einem riesigen, bösartigen Adler zu bewahren? Findet es heraus!

Leyla und Akim entwickeln im Laufe des Geschehens zärtliche Gefühle füreinander. Das besondere an dieser Liebesgeschichte ist, dass die beiden zwei vollkommen verschiedene Welten trennen. Diese zarten Bande beruhen alleine auf Gesten, auf Berührungen, auf Mimik und auf de Körpersprache, denn die beiden können nicht wirklich miteinander kommunizieren. Leyla und Akim trennt eine vollkommen verschiedene Sprache. Die Autorin hat sich nämlich eine eigene Sprache für ihr Buch ausgedacht und zwar die Sprache von Akims Volk. Diese ähnelt in manchen Punkten unserer ein wenig und manche Worte lassen sich mit purer Willenskraft oder aus dem Kontext übersetzen, allerdings ist es für Leyla nochmal schwerer diese zu verstehen, da dem Leser manchmal Übersetzungen geliefert werden, ihr aber nicht. Am Ende des Buches stehen nochmal alle Sätze der fremden Sprache, welche im Buch gefallen sind, mit Übersetzung, sodass man beim Lesen des gedruckten Exemplars ganz bequem hin und her springen kann. Für Leyla und Akim ist es also sehr schwer sich miteinander zu verständigen und das, obwohl sie auf ihrer gemeinsamen Reise durchaus auf einige Worte angewiesen wären. Es ist erstaunlich, wie gut es dennoch zwischen den beiden funktioniert. Die Kommunikationsschwierigkeiten werden durch Gesten, Blicke, Berührungen und auch einigen heißen Szenen überbrückt. Zwischenzeit habe ich über Leyla aber schon mal die Augen gerollt, denn sie hat einen Freund zu Hause? So ganz möchte sie aber weder den einen noch den anderen jungen Mann aufgeben. Das vermittelt mir irgendwie einen falschen Wert und da hätte ich mir von Leyla mehr eine klare Stellungnahme gewünscht.

Es läuft am Ende alles auf den Kampf gegen Redla und somit auf das Finale hinaus, welches ich als sehr spannend empfunden habe. Leyla ist in diesem Moment keinesfalls die todesmutige, strahlende Heldin, welche man sich so vorstellt. Sie hat ihre Zweifel, hält sich für schwach und ist sich unsicher, aber, und das ist das Wichtigste, sie gibt nicht auf. Leyla kämpft nicht nur für sich, sondern auch für Akim und für die Freiheit seines Volkes. Ich war so gespannt, ob Leyla ihre Aufgabe meistern würde und ob sie Redla besiegen kann und habe mit ihr mitgezittert. An einigen Stellen habe ich mich gar nicht getraut sofort weiterzulesen, musste den E-Book-Reader immer mal wieder zur Seite legen und tief durchatmen, bevor ich weiterlesen konnte. Wie es ausgeht, erfahrt ihr, wenn ihr das Buch lest ;). Aber glaubt mir, ich war vom Ende echt schockiert! Es ist so ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe und ich musste auch ein paar Tränchen vergießen. Das Ende ist in sich abgeschlossen, aber ich bin dennoch nicht ganz zufrieden. Ich wünschte, es würde sich bei dem Buch nicht um einen Einzelband handeln, sondern ein Folgeband meine ganzen ungeklärten Fragen lösen, denn davon gibt es noch einige! Vielleicht erhört uns die Autorin ja und wir bekommen das Ende, welche wir uns alle für die Protagonisten wünschen.

Ich habe aber dennoch ein wenig Kritik. Mein erster großer Kritikpunkt ist der Epilog. Ich möchte euch nicht spoilern, aber ich habe ihn als unpassend und nicht durchdacht genug empfunden. Es fühlte sich irgendwie unfertig an und so, als ob Leyla noch immer nicht ganz glücklich in ihrem Leben wäre. Dabei wünsche ich ihr das doch so sehr! Der zweite, etwas kleinere Kritikpunkt, ist das fehlende Hintergrundwissen rund um den Adler Redla. Zwar wurde kurz angeschnitten woher er kam und was sein Zweck ist, aber leider viel zu wenig und für mich nicht tief genug. Denn immerhin dreht und wendet sich Leylas gesamtes Abenteuer, ihre Mission und ihr Leben darum, den Adler zu besiegen. Es ist wirklich schade, dass wir daher so wenig Informationen rund um dieses Tier erhalten.


Wer eine einzigartige Geschichte mit einer zarten Liebesgeschichte sucht, welche nicht nur auf großen Worten, sondern auf kleinen Gesten und Zuneigungsbekundungen beruht, der wird hier fündig werden. Taucht ein in eine fremde Welt rund um Akims Volk und verfolgt zusammen mit Leyla ihre große Aufgabe als Auserwählte. Ich habe dem Finale sehr entgegengefiebert und es konnte mich auch vollkommen mitreißen. Alleine der Epilog hat mich dann doch etwas unzufrieden zurückgelassen, weswegen ich dem Buch 4,5 Cookies gebe. Ich hoffe ein klitzekleines – nagut, ein großes Bisschen auf eine Fortsetzung, wäre aber auch mit diesem Ende einigermaßen zufrieden.


Ich möchte mich recht herzlich beim Papierverzierer Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken.

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